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Aktuelle Info Juli 2012

Aktuelle Info vom 16. Juli 2012: POLARLICHTER ÜBER RIESA!


Liebe Sternenfreunde,

erstmals POLARLICHT 2012 über Riesa - "Aurora Borealis" live erlebt.

Die Sonnenstürme vom Ende letzter Woche haben ja bereits die Medien bestimmt und auch von der Möglichkeit sichtbarer Polarlichtaktivität über Mitteleuropa gesprochen. Schon am Wochenende hielten Natur- und Sternenfreunde Ausschau nach dem Nordlicht, bisher aber ohne Erfolg, weil Sonnenstürme eben permanenten Schwankungen auf der langen Reise zur Erde unterliegen. Die Reisezeit für die 150 Millionen Kilometer von der Sonne bis zur Erde war länger, als vorerst berechnet, so dass keine Möglichkeit in mittleren Breiten bestand, etwas Polarlicht zu sehen. Doch die Intensität nahm seit Sonntag Vormittag stetig zu, so dass nur noch das Wetter mitspielen musste, um einen geeigneten Beobachtungsposten zu beziehen. Ab Mitternacht lockerten sich die Wolken zunehmend und der Nordhimmel war wolkenfrei.

Also machten sich Christian Bartzsch und Stefan Schwager, die beiden Riesaer Polarlichtjäger mit Kameras und Decken auf den Weg zum Flugplatz Canitz. Kurz vor 1 Uhr wurde dann ein heller Lichtschimmer und ein seichter Lichtstrahl im Sternbild Großer Bär sichtbar. Auch kleinere Wolken und Dunst tief am Nordhorizont zeigten sich tief schwarz vor einem sanft beleuchteten Hintergrund. Die Lichtsäulen bewegten sich langsam von West nach Ost und ab hier bestand kein Zweifel mehr: Polarlicht über Riesa und Deutschland! Energiegeladene Teilchen des Sonnenausbruchs gelangten nach der langen Reise in die obere Atmosphäre und waren stark genug, das kräftige Magnetfeld der Erde zu verformen. Die Energie die sie mitbrachten schaffte es dann, die Moleküle der Luft zum Leuchten anzuregen, so dass das Nordlicht sichtbar wurde. Als weißer "Beamer" mit einer Höhe von bis zu 25° über dem Horizont zog das sichtbare Polarlicht unter dem Polarstern vorbei in Richtung Sternbild Fuhrmann im Nordosthimmel. Die Schülerin und Sternwartenmitglied Sabrina Hofmann bestätigte diese Sichtung aus dem Stadtzentrum, denn sogar dort konnte man bei entsprechender Horizontsicht etwas erkennen.

Die Bewegung wird durch die Polarität und die Ausrichtung des Magnetfeldes bestimmt. Wie eine Wolke scheint es sich leise am Himmel zu bewegen, nur dass Polarlicht viel höher im Himmel steht, als gewöhnliche Wolken. Dieses geheimnisvolle Leuchten entsteht in einer Höhe von 100 - 400 km über der Erdoberfläche, so dass eventuelle Wolken immer als dunklere Strukturen stets vor dem Polarlicht sichtbar sind, wenn sie nicht anderweitig, z.B. durch Lichtverschmutzung der Städte von unten beleuchtet werden. Dies ist ein weiteres klares Erkennungsmerkmal, Polarlicht eindeutig zu identifizieren.

Die entstandenen Bilder auf Digitalkamera und DIA - Film zeigen nun sogar noch die Farben der Aurora, welche für das menschliche Auge diesmal eher schwer zu erkennen waren. Das farbige Licht ist nur in sehr intensiven, starken Nordlichtern zu sehen. Anfänglich beginnt sich das Polarlicht als heller Schimmer zu zeigen und KANN bei starken Aktivitäten farbig zu sehen sein. Polarlichter sind normalerweise in den Regionen der Polarkreise zu sehen, da hier das Erdmagnetfeld seine Pole hat. Skandinavien, Sibirien, Kanada, Island, Grönland, Alaska oder Antarktis und Südlichstes Amerika zeigen fast täglich eine Aurora am Nachthimmel. Da dieses Licht im direkten Zusammenhang mit Sonnenaktivität steht gibt es schwankende und nicht vorhersagbare Sichtbarkeitszeiten und Sichtbarkeitszonen.

Letzte Nacht hatte auch Mitteldeutschland einmal Glück, für wenige Minuten etwas Nordlicht zu sehen. Ein tolles Erlebnis, welches in den kommenden Monaten immer mal wieder möglich sein wird, da die Sonne gerade ihr Aktivitätsmaximum anstrebt, welches 2013/14 erwartet wird. Die Bilder sind mit einer Digitalkamera und Langzeitbelichtungen auf dem Segelflugplatz Riesa/ Canitz entstanden.

Eine schöne Woche wünscht

Stefan Schwager

Leiter Sternwarte Riesa



Aktuelle Info vom 15. Juli 2012: Die ersten Bilder der Jupiterbedeckung


Liebe Sternenfreunde,

am heutigen Morgen war es endlich soweit: Jupiterbedeckung durch den Mond am frühen Morgenhimmel. Kurz vor 03:45 Uhr bedeckte der Mond für gut eine dreiviertel Stunde den Jupiter. Dem Beobachter bot sich ein toller Anblick am frühen Sonntag Morgen. Eine sternenklare Nacht ging dem Ereignis voraus, denn der heftige Regen des Abends hatte die Luft klar und sauber gespült. So konnten die Besucher der Sternwarte die gesamte Wartezeit zur Nacht an den Teleskopen oder beim Sternschnuppenbeobachten verbringen. Auch eine tolle Milchstraße war über Riesa zu sehen, was auf Grund der Lichtverschmutzung eher selten der Fall ist.

Voller Erwartung schauten alle zum Osthorizont und erwarteten den Aufgang des kosmischen Duos. Und es sah gigantisch aus, wie Jupiter als heller Stern ganz dicht neben der zarten abnehmenden Mondsichel am Horizont empor stieg. Und mit Verlauf des Aufgangs näherten sich beide immer weiter an, bis es schließlich zur erwarteten Bedeckung kam. Doch nicht nur der Mond begann den Riesenplaneten zu bedecken, sondern auch die Wolken nahmen extrem zu, so dass uns nur wenige Augenblicke auf das Schauspiel gegönnt waren. Dennoch schafften wir es, einige der Moment auf Bild zu bannen, um nachträglich das Ereignis noch einmal ausgiebig genießen zu können.

Wir werten noch weitere Daten aus, aber als erste Vorschau sind dies schon einmal die besten Eindrücke der vergangenen Nacht.

Nun erwarten wir die Riesaer Sternschnuppennächte in der Zeit vom 11.-18. August, an denen wir täglich ab 22 Uhr auf den Segelflugplatz Canitz einladen, um mit uns zusammen hunderte Perseiden zu zählen. Bei Gutem Wetter kommt auch das Riesenteleskop zum Einsatz.

Mit besten Grüßen aus der Sternwarte

Stefan Schwager

Leiter Sternwarte Riesa



Aktuelle Info vom 14. Juli 2012: Trichterwolke über Riesa


Liebe Sternen- und Wetterfreunde,

gestern war das Wettergeschehen über Riesa ein sehr spannender Krimi. In Vorbereitung auf die nächtliche Beobachtung der Jupiterbedeckung durch den Mond, bezogen die Sternenfreunde Riesa zusammen mit Gästen bereits am Samstagabend ihre Beobachterstellung auf der Riesaer Sternwarte. Und es waren beeindruckende Regengebiete und Wolken am Himmel zu beobachten.

Doch kurz vor 20 Uhr ereignete sich etwas Seltenes: Eine Trichterwolke, eine sog. Funnelcloud zeigte sich am unteren Ende einer eigentlich unscheinbar wirkenden Wolke. Eine Funnelcloud ist der durch Kondensation sichtbare Teil eines eng begrenzten Wirbels unterhalb einer konvektiven Wolke. Der Wirbel selbst reicht noch tiefer hinab. Gibt es Auswirkungen am Boden (Schäden, Staubaufwirbelungen), spricht man von einem Tornado. Dieser muss aber nicht durchgehend sichtbar sein. Allein in Deutschland gibt es jährlich mehrere Hundert solcher Erscheinungen, doch im Landkreis ist dem Wetterteam der Sternwarte Riesa bisher noch nie so eine deutliche und langlebige Funnel unter die Augen gekommen. Auffällig war bei diesem Trichter, dass er aus deutlichen Segmenten bestand: einem sehr schmalen, sich schnell bewegendem kleinen Rüssel und einem dicken Wolkentrichter direkt an der Unterseite der Wolke. Der kleine Wolkentrichter bewegte und veränderte sich über Minuten. Doch glücklicherweise schaffte es die Kraft des Windes nicht, in Bodenkontakt zu kommen und einen Tornado auszulösen. Deutlich (und auch auf den Bildern erkennbar) war, dass die von der Sonne beleuchtete Seite diesen Wirbel ausbildete, was an der entstehenden Dynamik der Luftschichten bei einwirkender Sonnenstrahlung begründet liegt. Es könnte ein Grund gewesen sein, der die Entstehung dieses Wirbels begünstigt haben könnte.

Doch schon 10 Minuten später war nichts mehr von dem Trichter zu sehen und die Wolke zog in südwestlicher Richtung an Riesa vorbei. Von der Sternwarte aus, sah man diese Wolkenformation in südwestlicher Richtung über der Baustelle der B169 und der Lebenshilfe Riesa. Es war keine bedrohliche Situation, aber dennoch ein signifikantes Merkmal, dass diese Wolken eben auch in der Heimat zu finden sind.

Kurze Zeit später zeigte sich in Horizontnähe noch ein kräftiger Regenbogen, der auch gleich mit aufs Bild gebannt wurde. Er war nur teilweise sichtbar, denn nur an einer weit entfernten Regenfront, schafften es die Sonnenstrahlen sich an den Regentropfen in Farben aufzutrennen. Eine tolle Abendstimmung, welche auf eine spannende Beobachtungsnacht verwies.

Mit besten Grüßen aus der Sternwarte

Stefan Schwager

Leiter Sternwarte Riesa



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