LIVE Blick aus der ISS und Riesas Reise zur ISS
Aktuelle Info vom 14. Mai 2014


Liebe Sternenfreunde,

es gibt seit einigen Tagen eine tolle neue Seite der NASA, welche wir nun endlich einmal empfehlen wollen.

http://eol.jsc.nasa.gov/HDEV/

Hier kann man sich täglich LIVE in eine Webcam an der Internationalen Raumstation einklinken und einen fantastischen Blick auf unseren Planeten genießen. Eine einmalige und tolle Gelegenheit für jeden Menschen auf der Erde, denn dieser Blick ist sonst nur den dort arbeitenden und lebenden Astronauten vorbehalten.

Die „Internationale Raumstation ISS“ fliegt mit einer Geschwindigkeit von ca. 28 000km/h um unseren Planeten und in einer Höhe von 350 – 400 km über der Oberfläche benötigt sie für eine komplette Umrundung nur knapp 90 Minuten. Somit erleben die Astronauten innerhalb eines 24h – Tages insgesamt 16 Sonnenauf- und Untergänge und einen entsprechend häufigen Wechsel von Tag und Nacht. Mit diesen Kameras ist es nun möglich, dass jeder Mensch auf der Erde die Überflüge in Echtzeit verfolgen kann und die Erde aus einer völlig neuen Perspektive kennenlernt.

Auch Riesa war schon an Board der Internationalen Raumstation

Vor gut 4 Jahren hatte ein Relikt aus Riesa eine solche Gelegenheit die Erde aus der Raumstation zu „sehen“. Der Riesaer Sternwartenleiter Stefan Schwager übt sich seit Jahren in der Fotografie der Internationalen Raumstation. Im Jahre 2004 begann diese Leidenschaft und seit dieser Zeit verfolgt der Riesaer den Aufbau und die Überflüge dieser Raumstation. Mit bloßem Auge kann man immer wieder die ISS über den Himmel ziehen sehen. Sie erscheint einem als hell leuchtender Stern, welcher auf Grund des Stationsausbaues bis 2011 von Jahr zu Jahr immer heller wurde. Ein solcher Überflug, ein Transit am Himmel, dauert maximal 8 Minuten und innerhalb dieser Zeit kann man auch mit einem Teleskop versuchen die Raumstation zu erwischen. Dies ist sehr schwierig, denn mit der enormen Geschwindigkeit, mit welcher sich die Raumstation am Himmel bewegt muss man das Teleskop am Himmel mitführen. Die Herausforderung dabei ist, dass mit steigender Vergrößerung des Bildes auch die Geschwindigkeit des Objektes verstärkt wird und die ISS immer schwieriger einzufangen ist. Heutzutage kann man Teleskop sogar vollständig darauf programmieren, die ISS am Himmel nachzuführen. Doch nicht in Riesa, denn dies wäre zu einfach. Hier versucht man die sog. „manuelle Nachführung“ am Himmel, d.h. der Fotograf nimmt das Teleskop in die Hand und führt die Bewegung der Raumstation mit der Hand nach, ohne motorische Hilfe. Somit gelangen dem Riesaer Sternwartenleiter seit 2005 immer bessere und detaillierte Aufnahmen der Station und sogar anderen Raumschiffen, wie z.B. dem US Space Shuttle. Eines dieser Fotos bekam sogar die große Ehre, für 6 Monate an Board der Raumstation zu mitfliegen. Im Juni 2010 kam diese Postkarte nach 163 Tagen und über 105 Millionen Kilometer Reise wieder zur Erde und schließlich nach Riesa zurück. Doch nicht nur das, denn während des Aufenthaltes bekam diese Karte noch die seltenen Poststempel der ISS – Poststation und zahlreiche Unterschriften der damaligen ISS – Crew.

Während des Aufenthaltes wurden auch Bilder der Karte an Board geschossen, so auch das Bild, welches hier im Anhang zu sehen ist. Eine echte Postkarte aus Riesa, klebte am Fenster der Internationalen Raumstation – das gab es noch nie! Eine große Leistung, einer kleinen Volkssternwarte und seiner engagierten Mitglieder. Diese Postkarte haben in den letzten Jahren schon mehr als 20 Astronauten signiert und jeder Einzelne von ihnen zeigte sich beeindruckt von der fotografischen Leistung des Riesaers. Mit einem nur 20cm Teleskop und manueller Nachführung per Hand am Himmel die ISS zusammen mit Space Shuttle im Jahre 2008 so detailreich zu fotografieren – das beeindruckt selbst die Fachleute. Erst kürzlich sahen zwei Apollo Veteranen diese Bilder und staunten nicht schlecht über diese Bilder.

Hoffen wir, dass die ISS noch lange für uns am Himmel zu sehen sein wird, denn erst in diesen Tagen kündigte die Russische Regierung an, sich vorzeitig aus diesem einmaligen internationalen Gemeinschaftsprojekt zurückzuziehen. Dies würd ab 2020 das eigentliche AUS für die ISS bedeuten, sofern nicht die anderen Mitgliedsstaaten eigene bemannte Raumfahrtsysteme für die Versorgung der ISS entwickeln. Das erfolgreichste Kapitel der bemannten Raumfahrt würde so leider seine vorzeitiges Ende finden. Doch bisher arbeiten alle Staaten für die ISS noch zusammen und gehen beispielhaft voran, wenn es um friedliche Zusammenarbeit verschiedener Nationen der Erde geht. Wenn selbst die Zusammenarbeit in der Raumfahrt scheitert, dann blicken wir auf dunkle Zeiten, wo doch eigentlich Fortschritt und Entwicklung dieses Jahrhundert prägen sollte.

© Sternwarte Riesa e.V.



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