Schwaches Polarlicht über Riesa letzte Nacht
Aktuelle Info vom 23. August 2014


Liebe Sternenfreunde,

die vergangene Nacht war sehr aufregend, denn spontan wurden tausende Sterngucker in Deutschland zu Polarlichtjägern. So wie schon einmal vor genau 9 Jahren, im August 2005.

Polarlichtaktivität? Wie entsteht sowas spontan?

Grund dafür sind immer große Ausbrüche auf unserer Sonne, welche völlig normal und natürlich sind. Dieses Mal war es also auch eine große Sonneneruption mit koronalem Massenauswurf (einem sog. CME) vor 3 Tagen, welcher die Erde in eine Art energetischer Materiehülle wickelte. Es handelte sich hierbei sogar u einen sog. Kannibalischen CME, weil er die Erde gewissermaßen einschloss. Als man dies am Mitte der Woche beobachtete seigte sich ein starker Einfluss auf das irdische Magnetfeld und es war mit Polarlichtaktivität bis in die mittleren Breiten zu rechnen. Trifft diese energiegeladene Wolke aus Sonnenmaterie auf die Erde, so kollidiert diese zuerst mit dem Magnetfeld der Erde: unser Schutzschild gegen solare Aktivitäten und gefährlicher Strahlung. Da es sich in beiden Fällen um magnetische Aktivitätsregionen handelt, beeinflusst dieser Sonnensturm das Magnetfeld und verformt es. Dies kann sogar zu einer Art Schwächung führen, je nach Stärke des Sonnensturms. Bei diesem Ereignis wird ein Teil der Sonnenmaterie zu den magnetischen Polen der Erde geleitet, wo sie nahe genug an die Luftmoleküle der Atmosphäre gelangen und diese in einen neuen Energiezustand versetzen: Polarlicht!

Wo kann man dieses Polarlicht dann sehen?

Polarlicht kann man in der Nähe der magnetischen Pole, also am Nord- UND Südpolarkreis nahezu täglich beobachten, denn unsere Sonne wirft permanent Materie ins All. Vom Weltall aus könnte man einen leuchtenden Kranz über beiden Polgebieten beobachten, dem sog. Polarlichtoval. Bei besonders starken Ausbrüchen, kann es aber zu einer Ausweitung dieses Ovals kommen, so dass auch in mittleren Breiten Polarlichtsichtungen möglich sind. Im Jahre 2003 gab es so starkes Polarlicht, dass bis nach Afrika und Mexiko hinein Polarlichter zu sehen waren und auch in Riesa stundenlang herrliche „Aurora Borealis“ sichtbar waren. Doch dies ist die Seltenheit – glücklicherweise – denn diese Sonnenstürme können gerade im weltweiten Strom- Kommunikations- und Satellitennetz beträchtliche Schäden anrichten. Es gibt visuelles und fotografisches Polarlicht!

Was geschah nun in der Nacht zum 28. August 2014?

In dieser Nacht gab es weltweit Polarlichtalarm und das Wetter war bestens, um eine eventuelle Sichtung zu bekommen. Die Sternenfreunde Riesa trafen sich spontan auf dem Flugplatz in Canitz und anderenorts, um Liegestühle und Kameras aufzustellen. Denn auch wenn man Polarlichter nicht immer sehen kann, mit einer Kamera kann man sehr schwaches Polarlicht oft noch fotografisch erfassen, selbst wenn das menschliche Auge dies nicht wahrnehmen kann. Ein herrlicher Sommersternhimmel war zu sehen, die Milchstraße mit ihren tausenden Sternen zog sich als Band am Himmel entlang und etliche Sternschnuppen flogen am Himmel. Vom Polarlicht war die Nacht über leider nichts zu sehen, aber es gelang gegen 00:55 Uhr morgens für einen kurzer Moment ein fotografischer Nachweis von sehr schwachem Polarlicht im Nordhimmel: EIN ERFOLG! Im Vergleich aller 450 Aufnahmen der Nacht zeigte sich zu diesem Zeitpunkt eine grünliche Färbung tief am Horizont und ein roter Schimmer mit sehr schwachen Strahlen. Im Zeitraffer erkennt man, dass diese Materiewolke sich entlang des Horizontes bewegt und somit ist der Nachweis erbracht: fotografisches POLARLICHT über Riesa, bereits das 2.Mal in diesem Jahr!

© Sternwarte Riesa



Zurück zur Übersicht