Volkssternwarte Riesa: 35 Liter Niedersachlag, Blitze und Unwetter über Riesa
Aktuelle Info vom 24. Mai 2016


Liebe Wetterfreunde,
 die vergangene Nacht hatte es ja wettertechnisch ganz schön in sich. Mit Einbruch der Dunkelheit zogen dicke Wolken aus Südosten herauf und verfinsterten den Himmel über der Region. Kurz nach 20 Uhr hörte man das erste Donnergrollen in der Ferne und bedrohliche Wolken türmten sich am Himmel auf. Gegen 21 Uhr, also nach nicht einmal einer Stunde war der heftigste Regenschauer vorbei, aber noch nicht das Unwetter. Bis kurz vor Mitternacht zuckten Blitze (Foto) über der Stadt auf und teils kräftige Windböen zogen durch die Stadt. Die Deutsche Unwetterzentrale gaben für die Zeit Montag ab 18 Uhr bis Dienstag 5 Uhr eine Unwetterwarnung für Gewitter der Warnstufe Rot heraus. Dies ist die 2. Höchste Warnstufe und nur noch violett übertrifft die Unwetterskala. Gegen 23 Uhr zeigten die Wetterkarten im Raum Königsbrück/ Großenhain diese höchste Kategorie an und von Riesa aus sah man davon noch sehr lange noch Blitzaktivitäten in östlicher Richtung.
Innerhalb von nur 2 Stunden hat meine private Wetterstation 35,3 Liter / m² registriert und die Dachrinnen vom Haus (Foto) schafften die Ableitung des Wassers nur mit Mühe und etlichen „Überschwappungen“. Ein beträchtlicher Wert innerhalb dieser kurzen Zeitspanne. Im Norden Deutschlands gab es bereits erste Verdachtsfälle von möglichen Tornados, wie man den Medien entnehmen konnte. Diese haben sich jedoch nicht bestätigt. Die Schäden sind von sog. „Downburst“, also Gewitterböen verursacht worden, welche ebenso heftig niedergehen können. Hagel ist ein mögliches signifikantes Markenzeichnen für heftige Sturmgebiete und auch ein Indikator für potentielle Tornadogefahr. Auch in Sachsen wurde gestern von teils großem Hagel berichtet, der sich bis zu 30cm auf den Straßen türmte. Am Pfingstwochenende gab es in Riesa auch Hagel mit einigen Millimetern Durchmesser. Es ist nicht alles gleich ein Tornado, aber jede Beobachtung ist wichtig.
Im Jahr 2015 gab es Anfang und Mitte Mai eine ganze Serie von schweren Unwettern in Deutschland, die zu mehreren bestätigten Tornadoerscheinungen führten. So z.B. am 5. Mai 2015, als ausgeprägte Gewitterlagen gegen 17:30 Uhr im Raum Hamburg für großen Hagelschlag und im Raum Bützow (Mecklenburg Vorpommern) einen sog. F3 Tornado verursachte. Dabei erreichte die Trichterwolke Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h. Schon 1 Woche später kam es um den 12. Mai zu weiteren schwerem Gewittern, welche zu zahlreichen Tornados in Norddeutschland und am 13. Mai 2015 auch zu mehreren Tornados vom Schwarzwald bis zum Bodensee führte. Nördlich von Augsburg kam es gegen 22:15 Uhr damals zu einem weiteren F 3 Tornado, dem 3. Stärksten auf der sog. Fujita Skala, welche bis F 5 zählt. Zu Pfingsten 2010 gab es auch im Raum Großenhain den letzten großen Tornado in der Region, welcher als F3 wütete und streckenweise auch an der Marke zu F4 grenzte, was seine starken Beschädigungen an Gebäuden und Vegetation zeigten.
Solche Unwetterlagen werden zunehmend häufiger auch in Mitteldeutschland und wir müssen uns an bisher unbekannte Extreme wohl oder Übel gewöhnen. Gewitter gab es schon immer, Tornados auch, aber in dieser derzeit registrierten Dichte ist es ungewöhnlich. Sicherlich hat die Sensibilität und der öffentliche Informationsgehalt durch Internet, Smartphones und Digitalkamera für jeden dazu beigetragen, aber versierte Wetterkundler bestätigen ihre teils jahrzehntelangen Beobachtungen in diesem Trend der wachsenden Extreme. Unwetter, Gewitter und erst recht Tornadogefahr sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sondern Berücksichtigung, Respekt und Achtung bekommen. Wir müssen uns auf solche Gefahren einstellen und dürfen nie davon ausgehen, dass es hier nicht passieren kann. Solche Ereignisse dauern nur wenige Sekunden und realistische Vorwarnzeiten gibt es nicht. Hier muss noch viel geforscht und beobachtet werden.
Im Anhang befinden sich eine kleine Auswahl von Wolkenformationen der letzten Jahre über Riesa und Region.
Hoffen wir auf besseres Wetter zum Weltspieltag, welcher am kommenden Sonnabend von 14 – 20 Uhr in der Volkssternwarte Riesa stattfinden wird.
Mit sternenfreundlichen Grüße aus der Hobbywetterküche
Stefan Schwager

Zurück zur Übersicht