C/2020 F3

Toll was hier gerade am Himmel passiert! Ein kosmischer Gast ist zu Besuch und ein prachtvoller noch dazu:

Komet C/2020 F3 „Neowise“

Dieser Komet zeigt sich derzeit dem aufmerksamen Beobachter am Himmel. Am 27. 03.2020 entdeckte das Weltraumteleskop „Wise“ entdeckt. Am 3. Juli durchlief dieser Komet mit knapp 44 Millionen Kilometern seinen Perihel, also seinen sonnennächsten Punkt in der Umlaufbahn und entfernt sich nun wieder aus dem inneren Sonnensystem. Am 23. Juli wird er noch seinen erdnächsten Punkt mit 103 Millionen Kilometer Entfernung passieren. Und der Komet ist recht flott unterwegs, denn mit knapp 78 km/s rast der Brocken auf seiner Bahn entlang, was für menschliche Verhältnisse extrem schnell ist. Zum Vergleich: die ISS fliegt 8 km/s und ist damit nur 1/10 so schnell wie der Komet. Doch „Neowise“ wird nach seinem Besuch 2020 für lange Zeit nicht mehr vorbei kommen, da er mit einer Umlaufzeit von 6766 Jahren erst um das Jahr 8850 wiederkehren wird.

Also die Chance nutzen und diesen tollen Kometen beobachten und mit eigenen Augen sehen.

Nach den beiden Jahrtausendkometen „Hyakutake“ 1996 und „Hale-Bopp“ 1997 ist dies mit Abstand der hellste Komet, den man hierzulande sehen konnte. Nach über 23 Jahren ist dies für den Riesaer Sternwartenleiter der erste helle Komet, der auch mit dem freien Auge problemlos zu sehen ist. Damals besuchten hunderte Bürger die Sternwarte zur Beobachtung und faszinierte die Menschen. Seitdem gab es zwar etliche Kometen am Himmel zu sehen, aber keiner war so eindrucksvoll wie „Neowise“ derzeit. Die Kometen Machholz, Pannstarrs, Lovejoy, McNaught, Ison, Neat, Linear, Ikeazang oder Holmes waren auch eindrucksvoll, aber nicht zu vergleichen mit dem jetzigen.

Um „Neowise“ zu sehen, muss man mit Einbruch der Dunkelheit gegen 23 Uhr beginnen, den Nordhimmel abzusuchen. Erfahrene Beobachter können auch schon ab 22 Uhr probieren, aber der Laie sollte warten, bis es entsprechend dunkel ist und man die Milchstraße über sich erkennen kann. Dann ist ein freier Blick zum Nordhorizont wichtig, denn der Komet ist noch recht horizontnah. Im Norden blinkt der helle Stern Kapella im Sternbild Fuhrmann und ein Stück links oberhalb davon findet man den berühmten Großen Wagen. Und genau dazwischen findet man derzeit den Kometen, welcher als heller Nebelstreifen zu erkennen ist. Mit dem Fernglas wird man eindrucksvoll den Schweif und einige Strukturen sehen können. Vor allem im Teleskop zeigt sich ein heller Kometenkopf mit einem hellen Punkt in der Mitte. Der Brocken selbst ist nicht sichtbar, da er von einer dicken Gashülle umschlossen ist, welche als Coma bezeichnet wird. Diese Gashülle wird vom sog. Sonnenwind vorgetragen und verteilt sich als eine Spur im Weltraum, welche durch die Sonne angestrahlt wird und so den typischen Schweif bildet.

Kometen sind Restbestandteile aus der Entstehungszeit des Sonnensystems und diese befinden sich am Rande des Sonnensystems in der sog. Oortschen Wolke in bis zu 2 Lichtjahren Entfernung. Kometen bestehen zu großem Teil aus Staub, Stein und gefrorenen Gasen und können etliche Kilometer an Durchmesser haben. Durch gravitative Einflüsse können diese plötzlich auf Umlaufbahnen um die Sonne gezwungen werden und so ins innere des Systems gelangen. Dabei fliegen sie an der Sonne vorbei, oder stürzen auf sie drauf (so wie Komet ISON im Dezember 2013). Einige haben dann eine immer wiederkehrende Bahn um die Sonne, andere widerum fliegen auf Nimmerwiedersehen ins Weltall hinaus.

Kometen beeindruckten die Menschen schon immer. Oft galten sie als Unglücksboten und Unheilsbringer, weil sie auch unverhofft und plötzlich aus den Tiefen des Alls am Himmel auftauchen konnten. Jeder Komet zeigt ein anderes Aussehen, denn alle Kometen bestehen aus unterschiedlichen Zusammensetzungen. Eindrucksvolle Exemplare wie diese sind sehr selten im Leben eines Menschen zu beobachten und man sollte jede Chance nutzen, um einen Blick auf diese Besucher zu werfen.

Von der Volkssternwarte Riesa aus, kann man diesen Kometen allerdings nicht sehen, da hohe Bäume und umliegende Bebauung die Sicht stören. Doch die Vereinsmitglieder sind zeitweise an verschiedenen Stellen in Riesa unterwegs und geben vor allem kurzfristige Informationen über die Facebookseite der Volkssternwarte Riesa bekannt. Doch dieser Komet kann auch von jedem mit bloßem Auge beobachtet werden und das sollte man nutzen.

Kometen bekommen von der IAU (Internationalen Astronomischen Union) eine Bezeichnung, die sich aus Buchstaben und Zahlen zusammensetzt. Der erste Buchstabe gibt an, wie groß dieUmlaufzeit des Kometen ist. Hier steht das C für eine Umlaufzeit von größer als 200 Jahren. Darauf gefolgt kommt ein Schrägstrich und dahinter das Erscheinungsjahr. Der letzte Buchstabe gibt an, in welchem Monat der Komet entdeckt wurde. Dabei wird ein Jahr in 24 Halbmonate aufgeteilt (A-Y,ohne I). Die letzte Zahl gibt an, wie viel Kometen in diesem Abschnitt entdeckt wurden. Der erste Komet enthält die Nummer 1 und dann fortlaufend so weiter.

Beispiel für C/2020 F3:

C Umlaufzeit  größer als 200 Jahre
2020 Erscheinungsjahr
F3 16. März- 30. März, dritter Komet

 

Quellen:

http://www.komet-ison.de/kometen-benennung.htm

 

Komet C/2020 F3 NeowiseKomet C/2020 F3 NeowiseKomet C/2020 F3 NeowiseKomet C/2020 F3 in der AbenddämmerungKomet C/2020 F3 in der AbenddämmerungKomet NeowiseKomet NeowiseKomet NeowiseKomet NeowiseKomet NeowiseFotocollage zum Kometen Neowise